So wirkt sich Ihre Ernährung auf Ihre Fruchtbarkeit aus|Interview mit Caroline Lippuner

Mit dem Beginn des Dezembers und den Feiertagen zum Jahresende erzählen uns viele unserer Patientinnen, dass dies eine der schwierigsten Zeiten des Jahres ist, um gesunde Gewohnheiten beizubehalten.
Bei Vida Fertility haben wir immer die Idee vertreten, dass Fruchtbarkeit aus einer ganzheitlichen Perspektive betrachtet werden muss, bei der Medizin und Ernährung Hand in Hand gehen. Aus diesem Grund möchten wir in diesem Artikel näher auf die tatsächlichen Auswirkungen der Ernährung auf die Fruchtbarkeit von Frauen und Männern eingehen, ein Thema, das viele Fragen, aber auch viel Fehlinformationen aufwirft.
Zu diesem Anlass spricht Dr. Marta Zermiani, Gynäkologin und Expertin für assistierte Reproduktion bei Vida Fertility Madrid, mit Caroline Lippuner sprechen, die neben ihrer Tätigkeit als Kinderwunsch-Coach und zertifizierte Mentaltrainerin im Jahr 2026 ihre eigenen Ernährungsprogramme startet. Gemeinsam geben sie uns einen medizinischen und ernährungswissenschaftlichen Überblick darüber, wie Ernährung ein wirksames Mittel sein kann, um den Eisprung, die Qualität der Eizellen und Spermien, die Gesundheit der Gebärmutterschleimhaut, den Hormonhaushalt und die Einnistung zu verbessern.

Marta, wie beeinflusst die Ernährung unsere Fruchtbarkeit?
Die Ernährung beeinflusst das Gewicht, den Stoffwechsel, Entzündungen und den Mikronährstoffstatus. Sind BMI aus dem Gleichgewicht geraten, wird auch die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigt.
Ein zu geringes oder zu hohes Gewicht kann die Regelmäßigkeit der Zyklen und die Qualität der Eizellen beeinträchtigen. Eine Ernährung, die reich an Zucker und stark verarbeiteten Lebensmitteln ist, begünstigt Insulinresistenz und Entzündungen, was den Eisprung behindern kann. Im Gegensatz dazu liefert eine ausgewogene Ernährung die Vitamine und Antioxidantien, die für die Reifung der Eizellen und ein günstiges Umfeld in der Gebärmutter notwendig sind.
Die Ernährung beeinflusst auch die Qualität der Gebärmutterschleimhaut, da sie Entzündungen, den Stoffwechsel und die Verfügbarkeit von Mikronährstoffen moduliert, die für die Einnistung nützlich sind. Ein Überschuss an Zucker und gesättigten Fetten erhöht Entzündungen und Insulinresistenz, was die Empfänglichkeit der Gebärmutterschleimhaut beeinträchtigen kann.
Eine Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Fisch und ungesättigten Fetten ist, fördert hingegen eine bessere Durchblutung und ein stabileres Umfeld für die Einnistung. Ein Mangel an Folsäure, Vitamin D, Eisen und Antioxidantien kann das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut und die Qualität der Lutealphase beeinträchtigen. Eine ausgewogene Ernährung fördert daher eine für die Einnistungsprozesse geeignetere Dicke und Funktionalität der Gebärmutterschleimhaut.
Beeinflusst die Darmflora die Fruchtbarkeit?
Ein weiterer sehr wichtiger Aspekt ist die Endometrium-Mikrobiota.
Die Endometrium-Mikrobiota ist die Gesamtheit der in der Gebärmutterhöhle vorhandenen Mikroorganismen. Wenn „nützliche” Arten, insbesondere Laktobazillen, überwiegen, bleibt das Endometrium stabil, wenig entzündlich und empfänglicher für die Einnistung. Veränderungen in der Zusammensetzung (Dysbiose) können lokale Entzündungen verstärken, die Qualität der Immunantwort verringern und die Wahrscheinlichkeit einer spontanen Einnistung oder einer Einnistung nach einer künstlichen Befruchtung verringern.
Die Endometriumflora hängt direkt von der Darmflora ab. Daher stehen der Zustand des Darms und der Gebärmutterschleimhaut in engem Zusammenhang: Eine ausgewogene Darmflora fördert auch die Stabilität der Gebärmutter, während eine gestörte Darmflora zu einer geringeren Empfänglichkeit der Gebärmutterschleimhaut beitragen kann.
Dr. Zermiani, Können Sie uns einige Beispiele für Fruchtbarkeitsprobleme nennen, die mit einer falschen Ernährung zusammenhängen?
Einige konkrete Beispiele sind:
- Anovulation aufgrund von Untergewicht oder zu restriktiven Diäten, mit unregelmäßigen oder ausbleibenden Zyklen.
- Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS), verschlimmert durch Übergewicht oder zuckerreiche Ernährung, das den Eisprung und die Qualität der Eizellen beeinträchtigt.
- Verminderte Eizellenqualität aufgrund von Mangel an Folsäure, Vitamin D, Eisen oder Antioxidantien.
- Verminderte Empfänglichkeit der Gebärmutterschleimhaut, oft in Verbindung mit chronischen Entzündungen, ernährungsbedingten Stoffwechselstörungen oder Veränderungen der Gebärmutterschleimhautflora.
Wie kann man feststellen, ob eine Patientin Hilfe in Bezug auf ihre Ernährung benötigt?
Anhand verschiedener klinischer Anzeichen lässt sich erkennen, ob eine Patientin Ernährungsunterstützung benötigt. Beispielsweise können erhebliche Gewichtsschwankungen, ein sehr niedriger oder sehr hoher Body-Mass-Index oder unregelmäßige oder ausbleibende Zyklen darauf hindeuten, dass die Ernährung die Fruchtbarkeit beeinträchtigt. Das Vorliegen von Insulinresistenz, Essstörungen oder dokumentierten Vitamin- und Mineralstoffmängeln sind ebenfalls wichtige Indikatoren. Bei reproduktiven Fehlschlägen oder assistierten Reproduktionsbehandlungen gewinnt die Bewertung der Ernährung noch mehr an Bedeutung, da die Korrektur falscher Gewohnheiten den Eisprung, die Eizellenqualität und das uterine Milieu verbessern kann.
Dra. Marta Zermiani, ¿la nutrición y fertilidad afecta a la infertilidad masculina?
Die Ernährung hat einen direkten Einfluss auf die männliche Fruchtbarkeit, da sie verschiedene grundlegende Mechanismen der Spermienproduktion und -qualität beeinflusst. Ein Überschuss an Kalorien, insbesondere aus raffiniertem Zucker und gesättigten Fetten, begünstigt Übergewicht und Fettleibigkeit, was zu einer Störung des Hormonhaushalts, einer Verringerung des Testosteronspiegels und einem Anstieg der zirkulierenden Östrogene führt, wodurch die Spermatogenese beeinträchtigt wird.
Ein Mangel an Vitaminen (C, D, E), Folsäure, Zink, Selen und Antioxidantien erhöht den oxidativen Stress in den Hoden, schädigt die Spermien-DNA und verringert die Beweglichkeit und Morphologie der Spermien. Zahlreiche Studien belegen, dass übermäßiger Kaffee- oder Koffeinkonsum mit erhöhtem oxidativem Stress und einer stärkeren Fragmentierung der Spermien-DNA in Verbindung gebracht werden kann. Koffein kann die Produktion freier Radikale erhöhen und die Wirksamkeit der Antioxidationssysteme in den Hoden verringern, wodurch die Spermien-DNA geschädigt wird. Ein moderater Konsum (1–2 Tassen Kaffee pro Tag) hat jedoch in der Regel keine signifikanten Auswirkungen auf die Spermienqualität.
Eine Darmdysbiose kann sich auch indirekt auswirken, und zwar durch systemische Entzündungen und Stoffwechselstörungen, die die Hodenfunktion beeinträchtigen.
Im Gegensatz dazu fördert eine ausgewogene Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Fisch und ungesättigten Fetten ist, ein stabiles Hormonprofil, reduziert oxidativen Stress und begünstigt die Produktion hochwertiger Spermien, was die Wahrscheinlichkeit einer natürlichen Empfängnis oder einer Empfängnis durch assistierte Reproduktionstechniken erhöht.
Caroline, wie arbeitest du mit Patienten, die Probleme mit der Fruchtbarkeit haben?

Ich biete Mentaltrainings an und ab 2026 biete ich zusätzlich mein neues, dreimonatiges Programm «Fruchtbarkeits-Update – Game Changer in 3 Monaten» an – in diesem Programm begleite und unterstütze ich Frauen und Paare mit bisher unerfülltem Kinderwunsch dabei, ihre Fruchtbarkeit ganzheitlich und auf natürliche Weise zu unterstützen und wieder Vertrauen in ihren Körper zu gewinnen.
Mein Programm umfasst insgesamt 6 1:1-Coachings. Mithilfe ausführlicher Fragebögen, eines Blutbildes, einer Haarmineralanalyse (als zusätzliches Tool um Mineralstoffungleichgewichte und Schwermetallbelastung zu erkennen) und je nach Anzeichen eines Stuhl-Tests, gewinnen wir ein ganzheitliches Bild der Situation. Dabei beschränken wir uns nicht auf die Symptombekämpfung, sondern gehen gezielt der Ursachenforschung nach. In den einzelnen Calls beleuchten wir die ganzen Zusammenhänge.
Auf dieser Basis erstelle ich meinen Klienten*innen einen massgeschneiderten und zielgerichteten Massnahmenplan, der unter anderem Entgiftungs- und Ernährungsempfehlungen, mentale Übungen, die Erstellung eines massgeschneiderten Nahrungsergänzungsmittelplans und Vorschläge zur Anwendung ätherischer Öle umfasst.
Welche Ernährungsumstellungen sind in der Regel für Patientinnen erforderlich (Ernährungsgewohnheiten, Nahrungsergänzungsmittel, Antioxidantien usw.)?
Die Empfehlung der Supplementierung richtet sich individuell nach den Ergebnissen von Fragebögen, Haarmineralanalysen und Blutbildern. Während der Kinderwunschphase ist es jedoch grundsätzlich sinnvoll, eine antientzündliche Ernährung in den Fokus zu nehmen. Nahrungsergänzungsmittel sollten nicht einfach „auf gut Glück“ eingenommen werden, sondern gezielt und basierend auf konkreten Ergebnissen ausgewählt werden. Dabei gilt das Prinzip: «MACHEN – MESSEN – MACHEN“, um nachvollziehen zu können, ob die Supplemente optimal, oder überhaupt vom Körper aufgenommen werden und welche Verbesserungen sich in dieser Zeit einstellen.
Aus meiner Sicht gehören Standard-Supplemente wie Folat, Vitamin D, Omega 3, Zink, Selen, Coenzym Q10, Myo-Inositol und Aminos zur Grundausstattung bei Kinderwunsch, jedoch immer gestützt auf Laborwerte als Basis. Was ich hingegen nicht empfehle, sind beliebige Kombipräparate, die häufig von Influencern beworben werden, da jeder Körper individuell ist und solche Produkte diese Individualität nicht abdecken können. Nur eine individuelle Supplementierung ist aus meiner Sicht ergebnisorientiert.
Wie lange dauert es in der Regel, bis sich die Fruchtbarkeit der Patientin verbessert?
Nach 3 Monaten kann man mit den meisten Fällen die ersten Verbesserungen sehen, jedoch nur, wenn die Frauen/Paare bereit sind in ihrem Alltag die Änderungen anzunehmen und die zielorientierten Massnahmen auch konsequent durchführen, ansonsten wird es zu keinen Verbesserungen führen.
Wenn Frauen/Paare eine künstliche Befruchtung planen, empfehle ich, sich idealerweise 4 Monate im Voraus bei mir zu melden. Die Reifung einer Eizelle, vom Beginn bis zum Eisprung, dauert ca. 90–120 Tage, sodass wir noch gezielt Einfluss auf ihre Qualität nehmen können.
Kann eine Darmdysbiose die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und welche therapeutischen Ansätze gibt es in diesem Zusammenhang?
Ja, eine Darmdysbiose kann die Fruchtbarkeit erheblich beeinträchtigen. Wie Dr. Marta Zermiani bereits erläutert hat, kommuniziert die Darmflora eng mit der Endometriumflora: Eine ausgewogene Darmflora stabilisiert und unterstützt die Funktion der Endometriumflora. Bei einem Ungleichgewicht drohen beispielsweise stille Entzündungen, die z. B. die Einnistung des Embryos verhindern können, deshalb erstelle ich auf Basis von Fragebögen, Haarmineralanalysen und Blutbildern ein ganzheitliches Bild. Daraus leite ich gezielte Massnahmen ab, wie eine antientzündliche, ballaststoffreiche Ernährung, einen individuellen Nahrungsergänzungsmittel-Plan sowie Lebensstil-Empfehlungen.
Weihnachtsfeiertage und Fruchtbarkeit: Was esse ich dieses Weihnachten?
Nach der Betrachtung sowohl der medizinischen als auch der ernährungswissenschaftlichen Perspektive wird deutlich, dass die Ernährung viel mehr als nur eine Ergänzung ist: Sie ist eine grundlegende Säule in vielen Prozessen, die einen direkten Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben.
In diesen Weihnachtswochen lautet unsere Botschaft: Bleiben Sie gelassen. Es geht nicht darum, auf Genuss zu verzichten, sondern ein Gleichgewicht zu finden, das Ihrem Körper und Ihrem Kinderwunschprojekt gerecht wird.
Bei Vida Fertility stehen Ihnen sowohl unser medizinisches Team als auch die Ernährungsfachleute, mit denen wir zusammenarbeiten, Schritt für Schritt zur Seite.
Wenn Sie Fragen zu Ihrer Ernährung haben, eine Behandlung beginnen oder Ihre Fruchtbarkeit insgesamt verbessern möchten, beraten wir Sie gerne.
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